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[L] Aus dem Evangelium nach Johannes: [V] Wir singen gemeinsam die 1. Strophe des Kreuzwegliedes.
[V] Herr Jesus Christus, [A] Amen
[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, [Sprecher] Jesus wird verurteilt. Eine Mauer von aufgerichteten Lanzen nimmt ihm |
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 2. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Menschen ergeben sich:
Im Vorurteil anderer; im Verlust des Partners, der Partnerin; in der
Diagnose einer schweren, vielleicht unheilbaren Krankheit; in der
Arbeitslosigkeit. In der schwerwiegenden Einschränkung meiner
Lebensmöglichkeiten bleibt oft nur noch eine einzige Richtung. Sie
entschieden in den Blick nehmen und nicht wegsehen: das gäbe dem
Leben eine Chance. – Die Hände offen nach oben strecken und der
Verzweiflung, der Trauer eine Richtung geben: das gäbe dem Leben
eine Chance. – Mich auf den Weg einlassen und Glauben lernen, dass
Einer mit mir geht: das gäbe dem Leben eine Chance. Überall auf der
Welt.
[V] Die Ergebung der Unschuldigen: Sünde der Menschheitsfamilie zu allen
Zeiten. Millionenfach nehmen Menschen tagtäglich ihr Kreuz auf sich:
das Kreuz des gesellschaftlichen Ausgegrenztseins, der Armut und des
Hungers, von Krieg und Vertreibung, Krankheit und Tot. Unverschuldet,
unnötig, vermeidbar.
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Von lähmender Angst
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von Tatenlosigkeit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von einengenden Denkmustern
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, der du deinen Kreuzweg angenommen hast,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 3. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Momentaufnahme am Weg:
Ein Mensch fällt. Die Zuschauer sind nicht aus Stein. Gleich werden sie als
Einzelne ihren Weg weitergehen. Was lässt sie erstarren? – Wenn jemand
unter seinen Füßen so dicke Sohlen hat, dass er den Weg gar nicht mehr
spürt, und die Arme und Hände so fest um sich klammert, dass er die eigene
Haltlosigkeit nicht mehr wahrnimmt, dann macht einer, der seine Angst zeigt,
Angst; dann lässt einer, der fällt, erstarren; dann ist einer, der offen bedroht
wird, Bedrohung. Doch es gibt kein unbeteiligtes Zuschauen. Jeder ist ein
Beteiligter – egal ob er etwas tut oder etwas geschehen lässt. – Die eigene
Haltlosigkeit bekennen, Angst nicht überspielen, sich aus dem Gruppenzwang
lösen, Mut zur Solidarität und zum Miteinander aufbringen, Engagement
wagen: das gäbe dem Leben eine Chance. Überall auf der Welt.
[V] Menschen werden überlastet. Jeden Tag. Zuviel an Sorge ums nackte
Überleben; zuviel an Kraft, die jeder neue Tag fordert; zu hoch die
Erwartungen, die gestellt werden, immer aufs Neue und oft einseitig;
zu schwer die Enttäuschungen, die das Leben mit sich bringt, und zu
tief der Schmerz, den die Verlassenheit schlägt.
Wir beten um Gottes Erbarmen
[V] Vom bloßen Zuschauerdasein
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von Gesichtslosigkeit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von Gleichgültigkeit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, der du auf dem Weg für uns gefallen bist,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 4. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Alltag der Welt:
Meist sind es die Frauen, die dem vielfältigen Leid der Menschen ins
Auge schauen. Sie lassen sich nicht ins Abseits drängen, blockieren die
Unheilsrichtung, verlassen die Spur ihrer Kinder, ihrer Männer, ihrer
Angehörigen nicht. Meist sind es die Frauen, die noch immer eine Hand
ausstrecken, wo alles längst verloren scheint, die den Blick nicht abwenden,
wenn es unerträglich wird. Meist sind es die Frauen, die den Schmerz, die
Not und die Verlassenheit der Kinder, Alten und Kranken, der Vertriebenen
und Misshandelten teilen und mittragen. – Herzensangelegenheit: Sich den
Menschen am Boden zuneigen, das gäbe dem Leben eine Chance. Überall
auf der Welt.
[V] Ein dem Tode geweihter Mensch begegnet dem Menschen, der ihm am
nächsten steht. Erschütternde Begegnungen. Auch heute: das verhungernde
Kind im Niger und seine hilflose Mutter; der an Aids leidende Mann und
seine ihn pflegende Frau in Südafrika; die einsame Alte im Pflegeheim einer
fernen Stadt und ihr mitfühlender Sohn.
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Von den Schranken, die uns trennen,
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von Achtlosigkeit und Herzenskälte
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von Resignation
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, Sohn einer Mutter,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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Simon von Zyrene hilft |
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 5. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Menschen finden Halt:
Wenn es längst eng geworden ist, die Kraft nicht mehr reicht und
jegliche Perspektive verloren gegangen ist, dann hilft es, wenn einer
die Blickrichtung aufgreift und mit in die selbe Richtung schaut.
Einer, der den fremden Weg ein Stück lang zu seinem eigenen macht:
Weggefährtenschaft. Geteiltes Leid ist immer noch Leid, doch die
Einsamkeit ist schon vertrieben. – Nicht nur rückwärts schauen, nicht in
sicherer Entfernung bedauern, sich nicht im Schmerz vergraben, sondern
mit dem Leidenden seinen Weg in den Blick nehmen und die eigene
Schulter unter seine schieben, das gäbe dem Leben eine Chance.
Überall auf der Welt.
[V] Ohne Ansicht des Geschlechts, der sozialen Herkunft, der Religion,
der Nationalität oder der Hautfarbe: Weggefährtenschaft mit dem,
dem ich auf seinem Leidensweg begegne. Weggefährtenschaft der,
die am Boden liegt. Weil i c h des Weges komme und nicht eine
andere, ein anderer.
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Von unserer Unachtsamkeit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von unserer Verantwortungslosigkeit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von unserer Kraftlosigkeit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, von Simon gehalten,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 6. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Was kann einer allein schon tun?
Veronikas zarte, leise Geste bricht mit der starren Menge. Anhalten für einen
Augenblick, sich der Realität stellen – wie grausam sie auch sein mag –,
das verändert den Menschen in seiner Tiefe. Veronika hält so lange an, bis
sie das Antlitz Jesu auf ihrem Tuch erkennt; und dieser gequälte, zu Tode
getriebene Mensch wird sichtbar in seiner Würde. Er zeigt sein Antlitz.
Auch hier und jetzt. Ob als Folge ihres Tuns oder als Voraussetzung:
Veronika selbst strahlt durch ihr eindrückliches Antlitz mit innerer Würde
zurück. – Nicht mitlaufen im Strom der Menge, sich dem Leben stellen, in
das Antlitz des leidenden Menschen schauen und den Mut zu zarten, leisen
Gesten aufbringen: das öffnet den Raum, in dem kein Mensch mehr seine
Würde verlieren muss. Gesicht zeigen und Hilfe geben, das gäbe dem
Leben eine Chance. Überall auf der Welt.
[V] Jesu gequältes Antlitz wird heute nicht mehr in einem Tuch sichtbar.
Deutlich eingezeichnet aber ist es in den Gesichtern der Menschen in den
„Elendsvierteln“ unserer Tage: den Hungernden und Notleidenden, den
Ausgestoßenen und Ungeliebten, den einsam Sterbenden. Veronika hat
gezeigt, was jedem Menschen möglich ist: Das tun, was heute in meiner
Macht liegt – und sei es noch so klein.
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Vom allzu leichten Wegschauen
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von Unverbindlichkeit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Davon, das Kleine nicht wertzuschätzen,
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, der du Veronika dein Antlitz geschenkt hast,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 7. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Der Mensch am Ende:
Das ziehen wir jetzt durch, zur Not mit Gewalt! Etwas „durchziehen“ ist
etwas anderes als „helfen“. Helfen meint den anderen. Etwas durchziehen
meint das Ergebnis – egal zu welchem Preis. Da zerrt der eine den
anderen weiter, fordert einer den anderen über seine Kraft, kämpft
irgendwann einer gegen den anderen, schlägt notfalls einer auf den
anderen ein... Es ist schließlich Anordnung, Befehl. – Ein Ziel nicht
kritiklos übernehmen, sondern überdenken; die eigene Arbeit nicht
einfach durchziehen, sondern anfragen; den Einzelnen nicht dem
Gesamten opfern, sondern ihn stets im Blick behalten; Befehle nicht
einfach ausführen, sondern in Eigenverantwortung abwägen – all das
gäbe dem Leben eine Chance. Überall auf der Welt.
[V] Menschen fallen unter vielerlei Last. Wie groß ist die Zahl jener, die sich
unter Intoleranz und Verrat, Machtgier und Ausbeutung, Hass und Gewalt
nicht mehr halten können? Frauen und Männer, die am Boden liegen
wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihres Geschlechts, ihrer mangelnden
Bildung. Frauen und Männer, die niedergeschlagen werden wegen ihres
Kampfes für Gerechtigkeit und Menschenwürde oder ihrer Liebe zur
Freiheit. – Wo stehen wir, wenn Menschen fallen?
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Von unseren inneren Schergen
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von unserer Uniformität
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von unserem achtlosen Tun
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, der du auf dem Weg für uns gefallen bist,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 8. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Die Kunst des Klagens:
„Wie geht’s?“ – „Danke, es muss ja, man kann nicht klagen.“ Wir scheinen'
sie fast verloren zu haben, die Kunst des Klagens, die das Leben aufnimmt,
so wie es ist: nicht immer heil und schön. Muss es immer gehen, immer
so weitergehen? Muss man die Welt so akzeptieren, wie sie ist? Dass da
Mächtige sind und Ohnmächtige? Es ist richtig, man kann nicht immer
etwas „machen“, doch die Trauer herausschreien, weinen um den Tod der
Unschuldigen und die Ungerechtigkeit anklagen – lautstark –, dass kann
jeder. Das könnten auch wir. – Mitleidenschaft: mit dem Weinenden weinen,
mit dem Stummen schweigen, mit dem Blinden die Dunkelheit ertragen,
die Hände zum Himmel strecken; den Blick nicht abwenden vom Leid
anderer, es in sich aufnehmen und in Klage verwandeln: das gäbe dem
Leben eine Chance. Überall auf der Welt.
[V] Warum kennen wir Bilder von klagenden Frauen – vor allem von Frauen –
fast nur noch aus den Nachrichten, wenn über die kleinen und großen
Katastrophen in den armen Ländern der Südkontinente berichtet wird?
Fehlt uns Nichts und Niemand? Haben wir niemanden zu betrauern?
Und nichts zu beweinen? Nicht nur ein Herz haben, Herz zeigen lässt die
Trauer zur Hoffnung werden.
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Von zu viel Anstand
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von unserer Tränenlosigkeit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von Mut- und Sprachlosigkeit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, der du die Klage der Frauen nicht überhörst,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 9. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Der Mensch am Boden:
Es geht nicht mehr weiter. Unerträglich der Schmerz. Der Schmerz des
Todes und des Hungers, des Ausgestoßen- und Abgestempeltseins.
Unerträglich für die Vorübergehenden, – die sich schützen mit innerer
Distanz: „Wahrscheinlich war er selber Schuld. Wäre er nur etwas weniger
provozierend, etwas kompromissfähiger gewesen. Er hätte ja auch ein
paar Schritte auf die anderen zugehen können, dann wären auch sie ihm
entgegen gekommen. Jetzt können wir ihm auch nicht mehr helfen.“ –
Wenn es zu spät ist, wenn der Zeitpunkt verpasst ist, an dem man etwas
hätte tun können, wird es unerträglich – für die eine wie für die andere
Seite. Auf vorschnelle Urteile verzichten, den Aufschrei hören, nicht auf
das Leben und die Würde eines anderen treten, das gäbe dem Leben eine
Chance. Überall auf der Welt.
[V] Vorübergehende: Sie bleiben stehen an so vielen Wegrändern. Warum
bleiben Menschen Randgestalten, obwohl sie doch ganz nah dran sind?
Ganz nah dran an den toten Kindern, den geschändeten Frauen, den
verkrüppelten Männern des Krieges. Ganz nah dran – und doch
Außenwelt.
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Von der Unfähigkeit zur Anteilnahme
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von der Trägheit unserer Herzen
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Davon, kaum Zeit für den anderen zu haben,
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, der du auf dem Weg für uns gefallen bist,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 10. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Menschen werden ihrer Würde beraubt:
Nicht in der Kleidung steckt die Würde des Menschen. Und doch ist es
entwürdigend, wenn jemandem mit Gewalt die Kleider vom Leib gerissen
werden; wenn jemand vor aller Augen bloß gestellt wird. – Einer stellt
den anderen bloß um des eigenen Vorteils willen. Einer macht den
anderen klein, um selber groß zu erscheinen. Einer zeigt die Schwachstellen
des anderen, um die eigene Schwäche zu verbergen. Einer nimmt
dem anderen allen Schutz, um selber seine Unangreifbarkeit unter Beweis
zu stellen. – Den Schutzlosen schützen, den Schwachen stärken, den
Kleinen groß machen, den Nackten bekleiden: das gäbe dem Leben eine
Chance. Überall auf der Welt.
[V] Wir kennen sie fast nur noch aus dem Fernsehen, die Enthüllungsgeschichten
er Entblößten unserer Zeit: ausgemergelte, hungrige Körper,
fast nackt. Menschen auf der Flucht, nur noch mit Fetzen bekleidet.
Arbeiterinnen und Arbeiter in den „Sonderwirtschaftszonen“ unserer Erde,
ungeschützt in ihrer unzureichenden Bekleidung. Mädchen und Frauen
in einer weltweiten Sexindustrie, verschleppt, entblößt, begafft – ausgeliefert.
Jesu Kleider werden geraubt. Auch heute noch.
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Vom Verrat deiner Botschaft
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von Unglaubwürdigkeit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Davon, dass wir andere bloßstellen,
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V]: Herr Jesus Christus, der du auf dem Weg deiner Kleider beraubt wurdest,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 11. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Gesetz der Masse:
Die in der Masse lassen den einen hängen und nageln ihn fest, doch
immer noch neigt er sich ihnen zu. Sie ignorieren ihn und kümmern sich
nur um ihresgleichen, doch immer noch schaut er sie an. Sie verdecken
ihre Ohren, um ihn nicht zu hören, doch immer noch redet er zu ihnen.
Sie verdunkeln die Welt, doch immer noch ist er ihr Licht. – In Jesu Leid
das Leid der Menschen sehen, sich ihm zuwenden, ihn anschauen, ihm
zuhören: das gäbe dem Leben eine Chance. Überall auf der Welt.
[V] Sein Licht zu den Menschen bringen, die Welt in seinem Licht erstrahlen
lassen, auch heute noch. Was könnte es Wichtigeres geben? Für die
Armen und die Kranken, die am Rand der Gesellschaft Vegetierenden,
die Ausgebeuteten und Unterdrückten, die zu Unrecht Verurteilten. – Wie
das gehen könnte? Trotz aller Dunkelheit den Weg suchen, den Jesus
gegangen ist. Und nicht nur eine Meile Wegstrecke mitgehen, sondern
zwei (vgl. Mt 5,41).
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Von unseren Rüstungen
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von falscher Sicherheit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Davon, anderen Gewalt anzutun,
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, der du dich für uns hast ans Kreuz binden lassen,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 12. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Wenn die Liebe stirbt:
Die Liebe stirbt viele Tode. Immer hinterlässt ihr Tod alles überwuchernde
Schwärze, lebensfeindliche Dunkelheit. Wenn helle Freude aneinander sich
verwandelt in dunkle Ablehnung, das Lächeln in hässliches Stirnrunzeln,
dichte Nähe in unüberbrückbaren Abstand, lebendiges Interesse in tote
Gleichgültigkeit, wunderbare Einzigartigkeit in banale Austauschbarkeit,
liebendes Teilen in habgieriges Raffen, dann nimmt das dem Leben jede
Chance. Überall auf der Welt.
[V] Maria Magdalena traut es sich zu: Sterbebegleitung. Bleiben, sich der
Dunkelheit aussetzen, den Schmerz teilen, den Todesschrei aushalten.
Und bleiben. – Bleiben, wo Armut Menschen kreuzigt und Chancenungleichheit,
wo Krieg und Vertreibung sterben lässt und fehlende
Medizin. Bleiben – und Hand anlegen. Maria Magdalena war Jesu
Sterbebegleiterin. Und Verkünderin seiner Auferweckung.
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Von unserer inneren Bedecktheit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von unserer Angst zur Nähe
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Davon, Menschen dem Tod preiszugeben,
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, der du für uns am Kreuz gestorben bist,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 13. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Mutterschoß:
Die Mutter mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß – Pieta: Trostbild für
Menschen in Not zu allen Zeiten. Denn sie, Maria, weiß, was Leid ist: Kaum
hat sie den Sohn in einem Stall geboren, muss sie mit ihrem Mann und dem
Kind fliehen. Kaum haben sie sich als Familie niedergelassen, verliert sie den
Heranwachsenden. Kaum hat er einen Freundeskreis gefunden, muss sie
tatenlos zusehen, wie er einen Unheilsweg geht. Kaum hat er das Ende
dieses Weges erreicht, steht sie zu Füßen des Sterbenden. Kaum hat er den
letzten Atemzug getan, legt man ihn ihr tot in den Schoß. – Nicht dem
Unheilsgeschehen der Welt als Spektake nachhetzen, sondern – wie Maria –
ihm standhalten, trotz allem auf das Heil hoffen und nicht aufgeben, das
Leben zu suchen: das gäbe dem Leben eine Chance. Überall auf der Welt.
[V] Vom Schmerz gezeichnete Mütter und ihre toten Kinder. Am Ende welcher
Unheilswege begegnen wir ihnen? Kreuzestode: 30.000 Kinder jeden Tag,
weltweit. Durch Hunger und Durst, mangelnde Gesundheitsversorgung, Krieg
und Vertreibung. Bekommen wir das wirklich mit? Den Tod der Kinder, den
Schmerz der Mütter?
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Von unserer Scheu, mit dem Tod zu leben,
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von der Hinnahme vermeidbaren Sterbens
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von Stumpfsinn
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, der du als Toter im Schoß deiner Mutter ruhst,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
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[V] Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
[A] denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
[Oder: Vers singen, siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Wir singen gemeinsam die Strophe des Kreuzwegliedes zur 14. Station.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[Sprecherin] Menschen fallen ins Schweigen:
Nicht allein das dicht gedrängte Zusammenstehen am Grab schafft Gemeinschaft,
sondern das Teilen der Trauer und das gemeinsame Aushalten
gibt dem Leben eine Chance. – Nicht das Verstummen öffnet das Ohr des
Herzens, sondern das gemeinsame Hören auf das Wort gibt dem Leben
eine Chance. – Nicht das Starren ins Grab weitet den Blick, sondern das
Suchen nach dem Blatt der Hoffnung gibt dem Leben eine Chance. – Nicht
das Abbrechen des Weges schafft neue Möglichkeiten, sondern den Weg
bis zum Ende mitgehen gibt dem Leben eine Chance. Überall auf der
Welt.
[V] Das war doch schon vorbei, bevor es angefangen hatte! Zu spät!
Lohnt nicht mehr! Tot und begraben! – Mit Jesus gehen bedeutet, bis
zum Ende mit ihm gehen. Und mit denen, die seinen Weg kreuzen: mit
den Lahmen und den Blinden, den Aussätzigen und den von Dämonen
Besessenen, den Zöllnern und den Sündern, den verkrümmten und
blutflüssigen Frauen, den Dirnen und der Frau aus Samarien. Mit Jesus
gehen bedeutet, den Weg ins Leben gehen. Schwer zu glauben. Hier
und jetzt. Nach all der Ungerechtigkeit. In all dem Leid.
Wir beten um Gottes Erbarmen:
[V] Von Kleinmütigkeit und Hoffnungslosigkeit
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von allzu großer Verzweiflung
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Von zu wenig Ausdauer
[A] befreie uns, Herr. [einen Augenblick lang Stille]
[V] Herr Jesus Christus, der du in die Dunkelheit des Grabes gelegt wurdest,
[A] erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
[V] Frauen und Männer begleiten Jesus
auf seinem Weg bis unter das Kreuz.
Die Frauen sind die Letzten auf dem Weg
und die Ersten am Ostermorgen.
Im Lukas-Evangelium heißt es:
[V] Wir singen gemeinsam die letzte Strophe des Kreuzwegliedes.
[siehe Kopiervorlage am Heftende]
[V] Herr Jesus Christus,
wir glauben an deine Verheißung,
uns Leben in Fülle zu schenken.
Stütze in den Dunkelheiten unseres Lebens
diesen Glauben und hilf uns, einander zu glauben,
wenn wir voreinander Zeugnis geben vom österlichen Leben.
So rufen wir:
[A] Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,
und deine Auferstehung preisen wir,
bis du kommst in Herrlichkeit.
Amen.
Wir beten dich an, wir preisen dich, Herr,
dein Kreuz schenkt aller Welt das Heil.
[Beginn] Er ging den Weg, den alle gehen bis in den Tod.
Er lehrte uns das Leben sehen in aller Not.
Refrain: Verborgen in aller Dunkelheit liegt Lebens Fülle für uns bereit,
verborgen in aller Dunkelheit liegt Lebens Fülle bereit.
[I. Station] Das Urteil ist so schnell gesprochen, ganz unbedacht,
die Lebenslinie scheint gebrochen durch rohe Macht. Refrain
[II. Station] Des Kreuzes Schatten fällt als Zeichen auf seine Spur,
es anzunehmen, nicht zu weichen, kann Liebe nur. Refrain
[III. Station] Er fällt zu Boden, ist am Ende mit seiner Kraft.
Er rafft sich auf, dass er’s beende, den Weg doch schafft. Refrain
[IV. Station] Die Mutter steht vom Schmerz getroffen vor ihrem Sohn.
Sie kann nicht helfen, nur noch hoffen in all dem Hohn. Refrain
[V. Station] Sie zwingen Simon mitzutragen an Jesu Last.
Er tut den Dienst, will Gutes wagen, wo man nur hasst. Refrain
[VI. Station] Er zeigt sein Antlitz in dem Tuche, das sie ihm gibt.
In allem Leiden ihn nur suche, wer dienend liebt. Refrain
[VII. Station] Er stürzt, von Folter aufgerieben, hin in den Staub,
wird weiter mit Gewalt getrieben, des Hasses Raub. Refrain
[VIII. Station] Am Wegrand stehen Frauen, klagen, wehren dem Zug.
Ihr Wehgeschrei will allen sagen: es ist genug. Refrain
[IX. Station] Er fällt noch einmal, kann’s nicht zwingen, scheint ganz zerstört.
Sein Sturz ist schwer, ein hartes Ringen: niemand ihn hört. Refrain
[X. Station] Am Ziel des Weges angekommen, auf Golgota,
die Kleider werden ihm genommen, bloß steht er da. Refrain
[XI. Station] Sie packen ihn, um ihn zu schlagen mit hartem Schlag
ans Kreuz, und als sie’s grausam wagen, dunkelt der Tag. Refrain
[XII. Station] Die Liebe stirbt. Der Leib geschunden, hängt da am Holz.
Der Hass hat ihn daran gebunden, tödlicher Stolz. Refrain
[XIII. Station] Im Schoß der Mutter liegt geborgen der tote Leib,
darin die Sehnsucht tief verborgen, dass Hoffnung bleib’. Refrain
[XIV. Station] Sie betten ihn in dunkle Erde, ganz tief hinab,
und ahnen nicht, dass Leben werde noch aus dem Grab. Refrain
[Schluss] Er ging den Weg, den alle gehen in aller Not.
Er ließ uns Auferstehung sehen, wo sonst nur Tod. Refrain
ZM